Behandlungsmethoden

Obwohl es immer Bemühungen gab, alternative Therapiemöglichkeiten zur Ventilimplantation zu finden, beispielsweise durch die Behandlung mit Medikamenten oder in jüngster Zeit auch durch minimalinvasive chirurgische Eingriffe, gibt es bis heute in den meisten Fällen keine Alternative zur Implantation eines Ableitungssystems ("Shunt"). Die Operation ist im Allgemeinen weder gefährlich noch schwierig. Die Ableitungssysteme (siehe unten) bestehen aus einem Ventil zur Regulierung des Hirninnendrucks und Kathetern, durch die das Hirnwasser abgeführt wird. Es wird zwischen ventrikulo-peritonealer (vom Kopf in die Bauchhöhle), ventrikulo-atrialer (vom Kopf in den rechten Vorhof des Herzens) Ableitung und lumbo-peritonealem Shunt (aus dem Wirbelsäulenkanal in die Bauchhöhle) unterschieden.

1. ventrikulo-atreale Ableitung
2. ventrikulo-peritoneale Ableitung
3. lumbo-peritoneale Ableitung

Der Neurochirurg macht mehrere kleine Schnitte und platziert dabei die Katheter direkt unter dem Hautgewebe und das Ventil entweder auf dem Schädelknochen hinter dem Ohr, im Thoraxbereich oder im Lumbalbereich.

Um den Ventrikelkatheter in einem der seitlichen Ventrikel zu platzieren, bohrt der Neurochirurg ein Loch durch den Schädelknochen. Das Ende des distalen Katheters, das seinen Anfang am Ventil hat, sitzt entweder in der Bauchhöhle oder in einer der Halsvenen, die in den rechten Herzvorhof führen.

Physikalische Grundlagen

Beim gesunden Menschen ist der Hirnkammerdruck (Wasserspiegel im Hirnkammerbehälter) im Liegen leicht positiv (etwas über 0) und im Stehen leicht negativ (leicht unter 0).

Hirnkammerdruck beim gesunden Menschen, liegend
Hirnkammerdruck beim gesunden Menschen, stehend

Besteht ein Hydrocephalus, ist der Hirnkammerdruck unabhängig von der Körperlage erhöht (Wasserspiegel in dem Hirnkammerbehälter ist weit über 0). Die Hirnkammern sind erweitert dargestellt.

Hirnkammerdruck beim Hydrocephalus-Patienten, liegend
Hirnkammerdruck beim Hydrocephalus-Patienten, stehend

Es ist jetzt dringend erforderlich, den Hirninnendruck unabhängig von der Körperhaltung zu senken und ihn in normalen Grenzen zu halten. Auch geht es darum das Risiko einer Überdrainage im Stehen zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig, ein Ventil zu implantieren, das für die stehende Position einen wesentlich höheren Öffnungsdruck hat (entsprechend dem Abstand zwischen Gehirn und Bauch) als für die liegende Position. MIETHKE-Gravitationsventile sind in der Lage für unterschiedliche Körperlagen den Ventilöffnungsdruck so zu definieren, dass sie für die optimale individuelle Liquordrainage sorgen.

 

 

 

 

Hirnkammerableitung mit MIETHKE-Gravitationsventil,
liegend

Hirnkammerableitung mit MIETHKE-Gravitationsventil,
stehend

Therapiekomplikationen

Die Behandlung des Hydrocephalus mit einem Shunt System ist nicht immer komplikationslos. Es kann wie bei jedem chirurgischen Eingriff zu einer Infektion kommen. Leider treten auch teilweise Probleme auf, die direkt oder indirekt mit dem implantierten Ventilsystem in Verbindung stehen können. Solche Komplikationen sind Verstopfungen des Ableitungssystems oder die ungewollt erhöhte Ableitung des Hirnwassers.

Weitere Informationen zum Thema Komplikationen bei der Shunt-Operation finden Sie im Internet unter:
http://www.kiefer.ws/index.htm

Postoperatives Verhalten

Patienten, die mit Ventilsystemen versorgt werden, sind im Normalfall in ihrem täglichen Leben nicht eingeschränkt. Es sollte dennoch von erhöhten Anstrengungen (körperlich schwere Arbeit, Sport) abgesehen werden. Treten beim Patienten starke Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, unnatürlicher Gang o.Ä. auf, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Darüber hinaus werden regelmäßige medizinische Kontrolluntersuchungen empfohlen.

Alle MIETHKE-Ventile sind so konzipiert, dass sie gegenüber magnetischen Feldern bis 3 Tesla unempfindlich sind. Der Patient sollte Schläge oder Druck aller Art auf das Ventil und seine Katheter vermeiden.